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Städte-Style im Farben- und Stilcheck – den Stil der Lieblingsstadt in die eigenen vier Wände holen: facettenreiche Diamantenstadt Antwerpen

Neben ihren hübschen kleinen Schwestern Gent und Brügge wird Antwerpen oft übersehen. Zu Unrecht. Nicht weniger schön als die beiden Familienmitglieder wirkt die zweitgrößte Stadt Belgiens gleichzeitig jünger, moderner und energiegeladener.

Viele Städte, denen man ihre Historie noch an jeder Ecke ansieht, wirken oft ein bisschen muffig. Sie klammern sich an ihre Geschichte und werden dadurch genauso unbeweglich und abgestanden wie das Wasser in manchem Burggraben. Antwerpen ist da anders. Hier kümmert man sich durchaus liebevoll um das historische Erbe, pflegt die Renaissancebauten und staubt gewissenhaft den Rubens ab. Aber Antwerpen hat sich trotzdem weiterentwickelt zu einer sehr toleranten Stadt, deutlich offener und unbekümmerter als zum Beispiel Brüssel. Und: Antwerpen schafft den schwierigen Spagat - pittoresk, ohne an ein Museum zu erinnern. Trendig, ohne den alten Charme zu verlieren.

Wenn man zum ersten Mal in der Stadt ist und sich einen Überblick verschaffen möchte, macht man sich am besten auf die Suche nach einem Neubau, der aussieht wie Tetris-Würfel, die vom Himmel gefallen sind. Das ist das MAS, das „Museum aan de Stroom“ im alten Hafen, auf dessen Dach jeder kostenlos gehen und einen der besten Blicke auf die Stadt genießen kann.

Allein durch den Hafen schon immer ein Schmelztiegel verschiedenster Einflüsse ist Antwerpen ein manchmal wilder, aber immer interessanter Mix, der einen auf Schritt und Tritt begleitet. Auf „Het Eilandje“, dem Inselchen im alten Hafengebiet, findet Alt und Neu besonders beeindruckend zusammen in einem der bekanntesten Gebäude der Stadt, dem „Port House“ der britischen Stararchitektin Zaha Hadid.

Sie hat ihren Neubau, der wahlweise an ein Schiff, den weißen Hai oder einen riesigen geschliffenen Diamanten erinnert, auf der Basis der alten Feuerwache errichtet und so beide Häuser zu einem neuen verschmolzen.

Genauso gehen Alt und Neu im quirligen Geschäftszentrum mühelos zusammen mit angesagten Shops hinter historischen Fassaden, die Geschichte in die minimalistischen Innenräume bringen. Geschichte atmet man auch in der guten Stube der Stadt, dem „Grote Markt“, der gerahmt ist von alten Gildehäusern.

Hier steht der Brabobrunnen, der die Namensgebung der Stadt erzählt. Der Legende nach soll ein Riese am Fluss Position bezogen und von jedem, der darüber wollte, Zoll verlangt haben. Wer das nicht einsah, dem hackte er mal eben die Hand ab. Ein römischer Zenturio, Silvio Brabo, hatte genug von dem Theater, hat dem Riesen seinerseits die Hand abgeschlagen und sie in die Schelde geworfen. Aus dem niederländischen „Hand werpen“ (Hand werfen) soll mit der Zeit dann „Antwerpen“ geworden sein.

Dieses Antwerpen hat heute mit „Antwerpen-Centraal“ einen der schönsten Bahnhöfe der Welt, von dem, obwohl mehr Kathedrale als Bahnhof, der belgische König 1905 bei der Eröffnung scherzhaft meinte, es sei ein „netter kleiner Bahnhof“ geworden.

Quasi um die Ecke liegt das „Jerusalem des Nordens“, in dem rund 20.000 orthodoxe Juden leben – und mit ihnen unzählige Diamanten. Hinter unscheinbaren Fassanden drängen sich knapp 1800 Händler, Juweliere und Werkstätten für Diamanten zusammen.

Facettenreich wie Diamanten ist auch die Mode Antwerpens, das als Modehauptstadt Belgiens gilt mit eigener Akademie und vielen Designern, Kreativen, Vintagestores, die alle ein bisschen ausgefallener sind als das, was wir aus Deutschland kennen. Bekannte Namen sind Ann Demeulemeester, Walter Van Beirendonck, einer der wahrscheinlich unerschrockensten Designer, Martin Margiela oder Dries van Noten, deren Stil genauso experimentell ist wie der ihrer Stadt. Sie mixen ohne Scheu Materialien, Farben und Muster zu ausgefallenen Kreationen, die - ebenso wie die Architektur - Altes einschließen und es zwanglos mit Neuem mischen.
Dass das Ganze aber nicht nur Entwürfe für die Laufstege sind, sondern wirklich den Geist vom jungen Antwerpen trifft, sieht man auf der Straße in Outfits wie dem Vintage-Gehrock aus Samt zu Punkboots.

In der Stadt, in der ein Kirchenschiff (nicht das eines Doms, sondern ein echtes Schiff mit Wasser unterm Bug!) wahrscheinlich auch aus dem Grund immer volle Bänke hat, weil es nebenbei als Kneipe fungiert („Kerkschip St. Jozef“), ist es wohl selbstverständlich, Dinge nebeneinanderzustellen, die auf den ersten Blick vielleicht nicht zusammengehen.
Das gilt genauso beim Einrichten – nicht nur in den Bars und Restaurants stehen daher geradlinige Möbel vor Barockverzierungen. Eleganter Samt kleidet Stühle, die auch auf die Enterprise passen würden. Und alte Backsteinwände geben coolem Industrial Chic Charakter. Zusammengefasst: Eklektizismus ist Trumpf, und Aufgeschlossenheit allem Neuen gegenüber wird ganz großgeschrieben.

Wände in BETON-OPTIK und blanke Ziegelsteine sorgen für den Industrie Charme.

Fürs Zuhause heißt das: Sie dürfen schwelgen in einem Mix aus Texturen, Perioden, Stilen, Trends und Farben. Der Perserteppich neben Ethnomustern und Designklassikern passt so in eine alte Lagerhalle als Wohnzimmer.

Beigetöne passen wunderbar zur Ziegelsteinwand – z.B. Vers in Pastell von Alpina Feine Farben oder Sanftes Cashmere von Alpina Farbrezepte.

Aber … es ist immer ein schmaler Grat zwischen einem gekonnt eingerichteten Raum im eklektischen Stil und einer Möblierung, von der selbst gute Freunde sagen, sie sei dann doch eher durcheinander.

Es ist allerdings gar nicht so schwierig, den Stil hinzubekommen. Das Zauberwort heißt: Thema. Ein Thema oder Motiv, das immer wiederkehrt, hält den Raum zusammen und verknüpft die einzelnen Elemente darin zu einem Gesamtbild.
Genauso hilfreich: Das Biedermeiersofa und den Barocksessel in demselben Stoff beziehen, das schafft eine optische Verbindung - oder eine Akzentfarbe wie leuchtendes Fuchsia immer wieder aufblitzen lassen. Mit einer sich durch den Raum ziehenden Farbe, einem durchgehenden Thema oder Muster spielt es dann fast keine Rolle mehr, wie viele Stile in dem Raum zusammenfinden.

Eine Farbe, die den ganzen Raum zusammenführt: Petrol de Luxe von Alpina Farbrezepte.

Wer trotzdem unsicher ist, für den gibt es ein garantiert stilsicheres Konzept: sich einfach konsequent innerhalb einer Farbfamilie bewegen und sich dafür in den Stilen, Materialien, Mustern etc. austoben für den typisch unangepassten und sehr individuellen Stil Antwerpens - der gerade im Trend liegt und definitiv Spaß macht. Beim Einrichten und beim Wohnen!